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Heiligendamm und Neuenhagen – Betrachtung 2er Demonstrationen

Von Dr. Else Ackermann (Partei- und Fraktionsvorsitzende a. D.) im Juni 2007

Tagelang haben uns die Medien über den G8-Gipfel in Heiligendamm berichtet, Fernsehen und Presse mit eindrucksvollen Bildern. Politik als Unterhaltung? Dazu war das Thema eigentlich zu ernst, aber die Fokussierung der Medien auf Straßenschlachten in Rostock, auf den schwarzen Block von etwa 500 schwarzgekleideten und vermummten Demonstranten (obgleich es eine gesetzliches Vermummungsverbot gibt), daneben und mittendrin eine Demonstrationsclownerie, begleitet von martialisch verkleideten Polizisten in Kampfuniform, ähnelte eigentlich mehr einem großartig inszenierten Actionfilm aus Hollywood, Spielplatz Meck-Pom, als einem auf den Straßen ausgetragenen verfassungsrechtlich geschützten Demonstrationskampf gegen die Globalisierung, die Armut in der dritten Welt und die Bedrohung aller Menschen durch den Klimawandel. Man hörte und sah viele junge Menschen, die sich mit fröhlichem Eifer ein erfolgreiches Katz-und Mausspiel mit der Polizei leisteten und sich dessen lachend rühmten, wenn sie diese nach strengen Regieanweisungen ausgetrickst hatten, um den 12 km langen Metallzaun zu erreichen. Graumelierte ältere Herren, Kämpfer älterer Semester mit großer Demonstrationserfahrung und eindeutig die besseren Menschen, artikulierten wohlgeformte Sätze in die bereitwillig hingehaltenen Mikrofone, die nicht anders klangen als die von autorisierten Pressesprechern der Regierung. Wenn sie also dasselbe wollten, warum demonstrierten sie?

Nun zu den Folgen dieser gut gemeinten Massendemonstrationen. Hätte es die Absperrung durch Zaun und Polizei nicht gegeben, hätte der G8-Gipfel wohl nicht stattgefunden. Die Versuchung der Masse, den Tagunsgort zu stürmen, wäre zu groß gewesen und die Macht der Vernünftigen, dies zu verhindern, zu klein. Geld für die Armen in Afrika und besonders zur Behandlung der Aids-und Malariakranken wäre sicher nicht geflossen, weil Demonstranten nicht politische Entscheidungsträger sind. Also war es nur ein Event, wie man heute sagt? Besser vielleicht ein Zeichen besonders junger Menschen, dass es so nicht weitergehen darf. Damit könnte ich leben. Aber bereits am Freitag haben mich andere Bilder geschockt. Es muss wohl doch ein Spieltrieb gewesen sein, der den Pulk an Demonstranten nach einer festgelegten Strategie zerteilte, durch Handzeichen vermittelt, in kleineren Gruppen schlangengleich durch die Felder und Wiesen trieb, ohne Rücksicht auf Verluste. So wurden Getreidefelder zertrampelt, die von Demonstranten und Polizei zur stinkenden Freilufttoilette wurden, fröhlich durch Viehweiden gestampft und immer die Tore offen gelassen, damit die Rinder sich frei bewegen können, was sie aber nicht sollen; dazu 5 Hubschrauber, die in den Getreidefeldern landeten, um Personalien aufzunehmen. Das alles scheint die Fröhlichkeit nur erhöht zu haben. Die Bauern dagegen sind wütend, denn sie leben vom Getreideanbau und der Viehzucht einschließlich der Milchproduktion. Vielleicht hat sich auch nur ein Verblödungsprozess breitgemacht, weil viele Demonstranten nicht mehr wissen, was das Korn bedeutet, das auf den Halmen wächst und für das tägliche Brot sorgt. Das ist die Verachtung einer Dienstleistungsgesellschaft, die sich in ihrem Zivilisationswahn von der Natur zu sehr entfernt hat, aber über die Globalisierung schwätzt. Dagegen haben die Bauern hilflos am Wegrand gestanden und zugesehen, wie aus ihrem Weizenfeld Trampelpfade wurden. Der Weizen wäre in 6 Wochen erntereif. Wer bezahlt ihnen den Verlust?

Da kommt man ins Grübeln und stellt Vergleiche an. Die Demonstranten im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel genießen Anerkennung. Schließlich machen sie sich Gedanken um die Welt. Da darf man auch Getreidefelder zertrampeln, um der Polizei ein Schnippchen zu schlagen. Eigentlich sind es edle Menschen, die nur Gutes wollen. Das muss auch die Polizei so gesehen haben, die wahrscheinlich froh war, dass nicht mehr passierte. Alles ist relativ.

In Neuenhagen hat es im Mai auch eine "Demonstration" gegeben, vielleicht war es auch mehr ein Klamauk mit einem Gerechtigkeitsgedanken und der Forderung nach Frieden und Solidarität. Zertrampelt wurde nichts, Steine wurden auch nicht geworfen, aber die Polizei gerufen, weil sich ein Hausbesitzer bedroht fühlte. Kam sie wirklich und was hat sie unternommen? Als auf der letzten Mitgliederversammlung der CDU am 31. Mai darüber diskutiert wurde, hatte doch tatsächlich ein Diskussionsteilnehmer Walser's Auschwitzkeule bemüht und von Terror und Judenverfolgung im Zusammenhang mit dieser "Demonstration" gesprochen. Billy Six, der Vorsitzende der JU Neuenhagen, wurde mit einem Verweis bedacht, der vom Kreisvorstand der CDU bestätigt wurde. So weit so gut. Es scheint aber gute Demonstrationen zu geben, die mit erheblicher zerstörerischer Gewalt einhergehen und ungestraft, sogar gesellschaftlich akzeptiert werden, und andere, die mit eingeschränkter Objektivität gesellschaftlich geahndet werden. Irgendwie scheint die Toleranz eine Rolle zu spielen, oder einfach nur ein beschränktes Urteilsvermögen. Darüber lohnt es sich, ein Gespräch zu führen, in dem man einfach nur die verschiedenen Sichtweisen über Gleichbehandlung diskutiert.

Neuenhagen, den 08.06.07
Zuletzt aktualiesiert: 31.03.2009