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Leserbrief an die MOZ: G-8-Gipfel und Demonstrationsrecht

Von Dr. Else Ackermann (Partei- und Fraktionsvorsitzende a. D.) im Juni 2007

Politiker und Volk ziehen Bilanz über den G-8-Gipfel. Miesmacher und Kritiker aller Couleur hatten den Gipfel abgeschrieben, bevor er begonnen hatte. Vor allem Globalisierungsgegner wetteiferten im Vorfeld in Talkshows. Hofiert von den Medien überwogen natürlich die Kritiker, die den Gipfel für überflüssig hielten und besonders den Aufwand, der den Gipfel ermöglichen sollte. Dabei hatte Attac lange vor Beginn angekündigt, gewaltige Demonstrationen nach Heiligendamm zu organisieren, um sich dort Gehör vor den Großen der Welt zu verschaffen. Wie diese Meinungsäußerungen aussehen sollten, war in Hamburg vorgeführt worden. Ohne den 12 km langen Zaun hätten friedliche und nicht friedliche Demonstranten durch Gebrüll und Pflastersteine, im Rucksack unsichtbar mitgeschleppt, das Gipfeltreffen der acht Regierungschefs und vieler hochrangiger Vertreter aus Asien und Afrika verhindert und Deutschland als Gastgeberland blamiert. Der Gipfel ist zu Ende und hat Erstaunliches erreicht, nämlich auch Geld für die Armen in Afrika zur Behandlung der Aids-und Malariakranken. Das ist die eine Seite. Die andere Seite sind die Demonstranten, die keine Entscheidungen treffen können, aber die beschlossenen gefordert haben, ohne auf gleicher Höhe der Debatte zu sein.

Nun zu den Folgen der Massdendemonstrationen von Gutmenschen. Ohne Zaun und Polizei hätte der G-8-Gipfel wohl nicht stattgefunden. Die Versuchung der Masse, den Tagungsort zu stürmen, wäre zu groß und die Macht der Vernünftigen, dies zu verhindern, zu klein gewesen. Also war es doch nur ein Kräftemessen mit der Staatsgewalt, der Polizei, mit der man glaubte, mit Tricks ein Katz-und Mausspiel treiben zu können. Dazu gehörte die Fingertaktik, die im Kampf erfahrene Strategen mit Handzeichen anwendeten, um den geschlossenen Pulk von Demonstranten in kleinere Gruppen zu zerteilen und schlangengleich durch Kornfelder und Weideflächen ohne Rücksicht auf Schäden landwirtschaftlicher Nutzflächen, die Privateigentum sind und der Ernährung und dem Broterwerb der bäuerlichen Eigentümer dienen, zu treiben. So wurden Weizenfelder frohgemut von jungen Menschen zertrampelt, fröhlich Fahnen schwenkend durch vergatterte Viehweiden gestampft, die Gatter nicht wieder verschlossen, so dass sich die Rinder frei bewegen konnten, was sie aber nicht sollten; dazu die Landung von fünf Hubschraubern in den Getreidefeldern mit Polizisten, die die Personalien der fröhliche Gutmenschen aufnahmen und erleichtert waren, dass sie nicht angegriffen wurden. Das alles schien die allgemeine Fröhlichkeit nur erhöht zu haben. Die Bauern aber waren wütend. Sie mussten tatenlos zusehen, wie die Getreidehalme durch Menschen zertreten wurden. Vielleicht hat sich auch nur ein Verblödungsprozess breitgemacht, weil viele verstädterte Demonstranten nicht mehr wissen, was das Korn bedeutet, das auf den Halmen wächst. Für die Unwissenden: Es bedeutet Brot für die Welt! Es ist nicht die Ahnungslosigkeit der meist jungen Demonstrantenm, sondern die Abgehobenheit einer Wohlstandsgesellschaft, die den Wert des Korns nicht mehr kennt, aber wortgewaltig über die Globalisierung schwätzt. Wer bezahlt den Bauern den Verlust? Vielleicht Attac? Oder wir, die Zeitungsleser und Fernsehzuschauer?

Verkehrte Welt: Die Demonstraten gegen den G-8-Gipfel genießen Anerkennung. Schließlich machen nur sie sich Gedanken über die Zukunft der Welt. Da darf man auch als Mitglied einer Spaßgesellschaft Getreidefelder zertrampeln, die Privateigentum als Toilette und Müllablage benutzen, als Gutmensch ungestraft nach Hause fahren und freiwilligen Helfern den Abtransport von 140 Kubikmetern Müll überlassen. Auch diese Bilder gehen um die Welt und werden unser Ansehen in Afrika nicht gerade erhöhen.

Dr. Else Ackermann
Neuenhagen, den 11.06.07
Zuletzt aktualiesiert: 31.03.2009