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Eine schreckliche Geschichte aus der inzwischen nach bald 20 Jahren im
historisch getrübten Rückblick Ewiggestriger verzuckerten DDR

Von Dr. Else Ackermann (Vorsitzende der Fraktion „Christlich Soziale Frauen“) im Februar 2008


Es war im Jahr 1981. Die DDR krankte weiter an dem extrem strengen Winter 1978/1979, als Norddeutschland und Teile Mitteldeutschlands in Schneemassen und für unsere Breiten extremer Kälte versanken. Im Gegensatz zu anderen Ländern bestand unsere Energieproduktion fast ausschließlich aus dem Braunkohletagebau, der zuschneite und die Förderbänder einfrieren ließ. Ganze Städte litten unter Stromausfall mit verheerenden Folgen für die gesamte Wirtschaft. Die Volksarmee musste antreten und die jungen Männer unter schwersten Bedingungen die Gleise für die Kohlezüge verlegen sowie die Förderbänder mit Flugzeugmotoren abtauen. Als das Tauwetter kam, versank alles im Schlamm. Die Katastrophe führte zu einer gewissen Einsicht in die Gewalten der Natur, aber auch zu der Erkenntnis, dass Naturgewalten nicht allein an dem nun folgenden Desaster Schuld sein könnten. Besonders junge Menschen stellten Fragen, erhielten aber keine befriedigenden Antworten. Die Ausreisewlle brach eigentlich nie ab und steigerte sich in den 80er Jahren dramatisch. Nicht jeder Unzufriedene wollte ausreisen in den Westteil Deutschlands, der Bundesrepublik Deutschland. Viele verharrten in einem Zustand der Resignation oder auch der Verweigerung, so auch ein junger 28 jähriger Mann in dem Braunkohlegebiet Lausitz im Südosten Deutschlands.
Seine Schwester erzählte mir die traurige Geschichte dieses jungen Mannes. Im Februar 1981 fühlte sich der junge Mann krank uns suchte einen Arzt auf. Er hatte unspezifische Symptome, die durch eine tiefere Diagnostik hätten geklärt werden können. Er wurde jedenfalls wieder gesund geschrieben, erschien aber nicht zur Arbeit, weil er sich krank fühlte. Wegen Arbeitsbummelei wurde er aus seinem Betrieb entlassen und war dadurch auch nicht mehr krankenversichert. Eine andere Arbeit nahm er nicht an, weil seine krankheitsbedingte Schwäche zunahm. Dadurch waren ihm auch der Artzbesuch und natürlich eine Behandlung verwehrt. So schleppte sich die Erkrankung hin mit sichtbaren Krankheitszeichen wie Gewichtsabnahme, ständigen Fieberschüben und erkennbaren Krankheitszeichen. Wegen Arbeitsbummelei erhielt er ein Strafverfahren und wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die er im Juni antreten musste. Wer Arbeitsbummelant war, sollte durch Erziehung zur Arbeit unter Gefängnisbedingungen zu einem arbeitswilligen DDR-Bürger erzogen werden. Das Motto hieß: Erziehung durch Strafe!
Dem Gefängnisarzt muss der körperliche Zustand des Gefangenen aber aufgefallen sein. Er wies den jungen Mann nicht in das Gefängniskrankenhaus ein, sondern in das Kreiskrankenhaus Hoyerswerda. Die Beschreibung der Krankheitssymptome durch die Schwester lässt einen M. Hodgkin vermuten, der bereits 1981 auch in der DDR zu behandeln war. Der Therapieerfolg ist auch jezt noch vom Stadium der Krankheit, die einen bösartigen Verlauf hat, abhängig. Zweifelsohne befand sich der Strafgefangene bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Selbst im Kreiskrankenhaus wurde der junge Msnn, inzwischen schwer leidend, von der Staatssicherheit bewacht. Die Besuche der Eltern und der Schwester waren nur nach Anmeldung in dem Krankenhaus möglich und selten, der körperliche Verfall unübersehbar. Zwei Wochen nach der Entfernung der riesig vergrößerten Milz verstarb der Häftling auf der Intensivstation des Kreiskrankenhauses, ohne dass Besuch der nächsten Angehörigen erlaubt war.

Das Begräbnis fand in einer Stadtrandgemeinde in Märkisch-Oderland statt, begleitet von einer ergreifende Rede des evangelischen Pfarrers dieser Gemeinde, kontrolliert durch die Anwesenheit der Staatssicherheit. Das Urteil ist nie aufgehoben worden, die Schuldigen nie bestraft.

Die Mutter durfte in den 80er Jahren zu Verwandten nach Westdeutschland fahren. Bei der "Ausreise" in die DDR erlitt sie einen Herzinfarkt innerhalb des grenzpolizeilichen Bereichs und wurde halbtot von Grenzpolizisten über die Absperrung gehoben mit der Auflage an die Wartenden Angehörigen aus der DDR, sich um die Kranke selbst zu kümmern. Es gab aber kein Telefon, und die Polizei verweigerte Hilfeleistung. Nach längerem Zuwarten konnte ein Krankenwagen bestellt werden, der die Infarktpatientin in die Charité brachte, wo sie kurze Zeit später verstarb.
Diese Geschichte sollte man Lafontaine zur Kenntnis geben, der sich erdreistete, in einem Vorwort zu dem Buch von Herrn Modrow diesen als vorbildlichen Parteisoldaten zu loben, der für die sozialen Leistungen in der DDR gearbeitet hat. Die Geschichte ist aber auch für alle die jenigen erhellend, die immer noch einen verklärten Blick auf die DDR und ihr Gesundheitswesen werfen, sich aber aufregen über die "Zweiklassenmedizin" jetzt, die sie genießen. Die Justiz war unmenschlich mit ihrem verbrecherischem Erziehungsauftrag, der, wie in diesem Fall, ein Todesurteil war. Nie wieder solche Verhältnisse! Deshalb sollten wir diesen Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland in einem jetzt 43 Staaten umfassenden Europa verteidigen. Dazu braucht man allerdings Grundüberzeugungen wie Freiheit und Gerechtigkeit.

Neuenhagen, den 18.02.08
Zuletzt aktualiesiert: 31.03.2009