- Freiheit verteidigen - Werte verbreiten - Deutschland voranbringen -

Startseite / Artikel /

Artikel

Zurück

Wird die DDR 18 Jahre nach der Wiedervereinigung verklärt?
Wissen die Schüler oder die Eltern zu wenig über die sozialistische DDR?

Von Dr. Else Ackermann (Vorsitzende der Fraktion „Christlich Soziale Frauen“) im Februar 2008


Der Forschungsverbund über den SED-Staat an der Freien Universität Berlin stellt nach einer Befragung einer repräsentativen Anzahl von Schülern in Berlin und im Land Brandenburg fest, dass der 1989 durch die Massenbewegung erste sozialistische Arbeiter-und Bauernstaat auf deutschem Boden zumindest im Land Brandenburg als "kleine DDR" weiterlebt. Die im November 2007 veröffentlichten Forschungsergebnisse zum DDR-Bild der befragten Schüler übertraf die schlimmsten Befürchtungen. Der Forschungsleiter Dr. Schröder fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen: "Wenn ich im Land Brandenburg die PDS wäre, würde ich darauf einen trinken".
Die Stärke der PDS, jetzt die LINKE, in ihrer sozialistisch kopierten Argumentation ist die Schwäche der demokratischen Parteien mit der "Stolpisierung" des Landtags in Potsdam. Wer Thälmann, der fast in jeder Gemeinde das Straßenbild durch seinen Namen beherrscht, sogar in der CDU heroisiert und seine Ikonisierung aus der DDR ohne schlechtes Gewissen übernimmt, schadet der noch schwachen Demokratie in den neuen Bundesländern und wirft für die Steuerzahler in den alten Bundesländern Fragen auf nämlich:
Zahlen wir über die Gemeinden und Länder jährlich etwa Milliarden von Steuerzwangsabgaben an das Land Brandenburg und andere Länder des Beitrittsgebiets, damit die verschwundene DDR mit ihrer sozialistischen Plan-und Mangelwirtschaft, ihren permanenten Menschenrechtsverletzungen vor und in den Haftanstalten durch die Hintertür des demokratischen Rechtsstaats auf unsere Kosten wieder fröhliche Rückkehr feiert? Tatsache ist, dass jeder dritte hier ausgegebene Euro aus den alten Bundesländern stammt. Zum Ärger der Bürger und Steuerzahler im Westen Deutschlands wird als Folge dieses immmensen Geldtransfers die Infrastruktur der Gemeinden vernachlässigt. Man sieht es und vergleicht. Das Land Hessen muss sich neu verschulden, um als Geberland den gesetzlichen Vorgaben des Geldtransfers zu genügen. Mit diesem Geld entschulden sich einige neue Bundesländer, während sich die alten weiter verschulden. Zurück zur Befragung der Schüler durch das Forscherteam der FU. Es wurden 128 Wissensfragen zur DDR gestellt. Siebzig Prozent der märkischen Schüler konnten nicht einmal die Hälfte richtig beantworten. Knappe 50 % kannten das Jahr des Mauerbaus nicht. Dreißig Prozenz hielten Konrad Adenauer und Willy Brand für DDR-Politiker. Zwanzig Prozent der Schüler glaubt, dass die DDR-Wirtschaft besser als die westdeutsche war, obgleich sie 1989 vor dem Bankrott stand. Warum hat es wohl die Massendemonstrationen und die Fluchtbewegungen in die Botschaften in Prag, Budapest und Warschau gegeben?. Das Fernsehen hat diese bewegenden Bilder besonders aus der Prager Botschaft immer wieder gesendet.
Mehr als 80% der Brandenburger Schüler gaben zu, zu wenig über die DDR zu wissen. Brandenburg, das Stolpeland, trägt nun die "rote Laterne". Da klingt es ermutigend, wenn die CDU-Fraktion des Potsdamer Landtags den 18. März als Gedenktag einführen will. Für alle, die mit diesem Datum nichts anzufangen wissen, ein kurzer Exkurs in die Geschichte. Am 18. März 1989 war die erste freie Volkskammerwahl in der Geschichte der DDR. Die Allianz für Deutschland erzielte mit Lothar de Maizière (CDU) einen überragenden Wahlerfolg und gestaltete gemeinsam mit der Bundesregierung in Bonn die Wiedervereinigung beider deutscher Teilstaaten. Dieses Ereignis hatte die Welt verändert. Kommunistische Staaten gibt es nur noch in Nordkorea und in Kuba. Wesentlichen Anteil hatten die Bürgerrechtsbewegungen in der DDR, besonders die Massendemonstrationen in Leipzig, die das System zum Einstürzen brachten.
Der "Gedenktag" soll dazu dienen, die Erinnerung an diese weltbewegenden Ereignisse wachzuhalten und Diktaturen jeglicher Couleur abzulehnen, damit nicht mehr behauptet werden kann, die Staatssicherheit sei ein Geheimdienst gewesen, wie ihn jeder Staat hat, also ohne parlamentarische Kontrolle. Immerhin begrüßen 86% der Schüler "Ost" die Wiedervereinigung, aber nur 71% "West". Unabhängig von der Bildungsfrage treten in der politisch-sozialen Struktur der DDR zunehmend positive Effekte auf. Das ist gefährlich.
Gefragt sind in diesem Zusammenhang die Jugendorganisationen der demokratischen Parteien. Die Mitglieder der Jungen Union in Neuenhagen veranstalten gemeinsam mit zwei Klassen aus Berliner Schulen am 6. März eine Begehung der Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen und eine Gesprächsrunde mit Dr. Knabe, dem Gedenkstättendirektor, der auch das Buch geschrieben hat "Die Täter sind noch unter uns". Außerdem ist eine Veranstaltung über Thälmann, der DDR-Ikone, geplant, der mit seiner kommunistischen Partei maßgeblich an der Destabilisierung der Weimarer Republik beteiligt war.
Ich habe als Kind die erste Diktatur Deutschlands, die nationalsozialistische, miterlebt. Die Loslösung von ihr brauchte mehr als 20 Jahre. Die Werte änderten sich danach kontinuierlich zuungunsten des Systems. Alfred Grosser, der Publizist, schrieb dazu, je länger das dritte Reich zurückliege, desto mehr nehme der Widerstand gegen Hitler zu. Mit der DDR scheint es umgekehrt zu verlaufen.

19.02.08
Zuletzt aktualiesiert: 31.03.2009