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Europa und seine christlichen Wurzeln –
Die Frage nach dem Gottesbezug in der Präambel der Europäischen Verfassung –

Eine Kurzfassung der Gedanken von Papst Benedikt XVI. zu diesem Thema

Von Dr. Else Ackermann (CDU-Fraktionsvorsitzende) im Mai 2007

Wir bestaunen heute die Macht des Menschen über die Materie, die ihm auch eine Macht des Zerstörens verschafft. In diesem Zusammnehang sollten wir auch an die Bedrohung eines neuen Krieges ohne Grenzen denken, der als asymmetrisch bezeichnet wird, und der unsere Regierung veranlasst, neue Sicherungssystme einzuführen, die unsere Freiheit einschränkt und nur in Diktaturen üblich ist, und trotzdem unzureichend sein wird. Die Weltlage wird von den Menschen in Europa als bedrohlich empfunden.
Dieses Europa hat sich als christlicher Kontinent gesehen und war zugleich Ausgangspunkt jener neuen wissenschaftlichen Rationalität, die uns große Möglichkeiten und auch Bedrohungen beschert hat. Das Christentum hat gerade in Europa seine am meisten geschichtswirksame Ausprägung gefunden, und seit der Renaissance die Rationalität entwickelt, die mit ihrer Wissenschaft und der daraus entstandenen technischen Kultur die ganze Welt prägt und eigentlich auch uniformiert. Damit geht die Vielfalt verloren. Diese Rationalität hat sogar Gott aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannt. Die neue Kultur in Europa ist der radikalste Widerspruch gegen das Christentum und gegen die moralischen und religiösen Traditionen der Menschheit.

Um die Präambel der Europäischen Verfasung hat sich ein Streit um die Frage der nach dem Gottesbezug in der Verfassung und um die Nennung der christlichen Wurzeln Europas entwickelt. Man geht jetzt mehrheitlich von der Vorstellung aus, dass die radikal laizistische Aufklärungskultur für die europäische Identität konstitutiv sei, d.h. dass die Vernunft einen universalen Anspruch erhebt. Die christlichen Wurzeln seien abgestorbene Wurzeln, die nicht zur geltenden Identität gehören. Die Philosophen, die Denker der Menschheit, berufen sich auf eine Selbstbegrenzung der Vernunft, wie sie im technischen Bereich angemessen ist. Das hat aber zur Folge, dass der Mensch außerhalb seiner Berechnungen keine moralische Instanz mehr hat, und dass der Freiheitsbegriff zunächst grenzenlos zu wachsen scheint. Diese Vernunft ist kulturell an die Situation des Westens von heute gebunden. Diese stellt eine unvollständige Kultur dar, die bewusst die eigenen historischen Wurzeln abschneidet und sich ihrer grundlegenden Erinnerung der Menschheit beraubt, ohne die die Vernunft orientierungslos wird.

Die Ausklammerung der christlichen Wurzeln aus der Präambel der Europäischen Verfassung ist deshalb nicht Ausdruck einer höheren Toleranz, sondern ist die Verabsolutierung eines Denktyps, der den anderen Kulturen der Menschheit radikal entgegensteht. Der von Huntington beschriebene "Kampf der Kulturen" ist nach Meinung von Benedikt XVI. der zwischen der radikalen Emanzipation der westlichen Menschen von Gott einerseits und den großen religiösen Kulturen andererseits.

Das Christentum sollte sich darauf besinnen, dass es die Religion des Logos (Vernunft) ist; denn die Welt kommt aus der Vernunft und nicht aus der Unvernunft, die ein Unterprodukt der Vernunft ist.
Über dieses Thema hielt Joseph Kardinal Ratzinger am 1. April 2005, einen Tag vor dem Tod Johannes Paul II., einen Vortrag.


Berücksichtigt die CDU in ihrer Politik oder besser in ihrem neuen Grundsatzprogramm wenigstens einen Teil dieser Gedanken?

Immerhin stellt der Generalsekretär der CDU fest, dass die Schöpfung bedroht sei und gesteht, dass die CDU in den letzten Jahren im Umweltbereich dazu gelernt habe. Die Kernenergie wird nur noch als Brückentechnologie angesehen und die Laufzeit der Kernkraftwerke verlängert, bis alternative Energien oder CO2-freie Kohlekraftwerke entwickelt worden sind. Im familienpolitischen Teil des neuen Grundsatzprogramms wird das Bekenntnis zu Ehe und Familie erneuert und gleichzeitig eingeräumt, dass sich in der bürgerlichen Familie des 21. Jahrhunderts zumeist beide Elternteile sowohl um die ökonomische Basis als auch um die emotionale Qualität der Familie kümmern.

Wo der Staat Öffentlichkeit repräsentiert, sollen christliche Symbole wieder stärker in den Mittelpunkt gestellt werden. Das christliche Menschenbild ist schließlich Grundlage unseres politischen Handelns. Deshalb gehören die Kruzifixe wieder in den Klassenraum, die aus falsch verstandener Toleranz in öffentlichen Räumen nicht mehr zu sehen sind. Genauso sind die christlichen Sonn-und Feiertage zu schützen.

Vor allem im entchristianisierten Osten Deutschlands, der ehemaligen DDR, hat es die CDU mit ihrem christlichen Menschenbild schwer, anerkannt zu werden. Gerade deshalb sollte die Partei immer wieder in ihren Mitgliederversammlungen das neue Grundsatzprogramm diskutieren, wie im § 21 der CDU-Satzung MOL gefordert.

Das gilt auch und besonders in der Jungen Union, die die Weichen für die Zukunft stellt. Praktische Arbeit, die dem Allgemeinwohl dient, ist besonders wichtig. Deshalb war die Aktion der JU Neuenhagen am Tag der Deutschen Einheit 2005 vorbildlich, als die jungen Menschen die Friedhofsmauer des kirchlichen Friedhofs in der Breitscheidt-Allee von den flächendeckenden Graffiti-Schmierereien befreiten. Anerkennung durch die CDU wurde ihnen allerdings nicht zuteil. Warum eigentlich nicht?
Zuletzt aktualiesiert: 31.03.2009